Heimatliebe

Für immer fremd oder doch ein neues Zuhause?

So ich möchte euch gerne einmal erzählen, wie es für mich war, in das schöne Rheinland zu ziehen, wie ich dort angekommen bin und wie der heutige Stand ist.

Vor etwas mehr als drei Jahren bin ich zusammen mit meinem Freund von Mallorca in die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn gezogen. Ich muss ehrlich sagen, dass sich bei mir bisher kein echtes „Heimatsgefühl“, so wie ich mir das wünsche eingeschlichen hat. Ich weiß nicht genau, ob man dieses Gefühl überhaupt irgendwo außer in seiner echten Heimat haben kann. Als geborenes Dorfmädchen hat es mich schon immer in die Welt bzw. Stadt gezogen. Bereits mit 15 Jahren habe ich beschlossen, dass ich am liebsten sofort auswandern würde, um dem ganzen Trott zu entkommen (es wurden dann zumindest ein paar Monate in Irland). Mir war alles viel zu eng. Jeder kannte jeden und ich habe das Gefühl der Freiheit vermisst. Meine Wunschvorstellung war eine Wohnung mit Dachterrasse inmitten einer Millionenstadt. Dort wo man machen kann, was man möchte und es einfach keinen interessiert.

So bin ich nach einem Zwischenstopp im Ausland schließlich in Bonn gelandet. Mit ca. 300.000 Einwohnern ist Bonn zwar keine Millionenstadt, dafür aber super schön und zur Not hätten wir ja noch Köln direkt nebenan. Ich muss zugeben, dass mir der Einstieg in das anscheinend so offene Rheinland etwas schwergefallen ist. Manchmal habe ich das Gefühl, als würde ich mich immer noch im Einstieg befinden. Da ich ein sehr offener und eher extrovertierter Mensch bin, habe ich natürlich alle Chancen genutzt, direkt anfangs auf alle möglichen Leute zuzugehen und Bekanntschaften zu schließen, was auch im Ausland immer ganz gut ankam. Leider hat es trotzdem sehr lange gedauert, unter die Fassade vieler Menschen zu schauen. Auf keinen Fall möchte ich behaupten, dass ich unfreundlich empfangen wurde, doch mehr als oberflächliche Bekanntschaften waren nie drin. Angefreundet habe ich mich eigentlich nur mit den Menschen, die auch zugezogen sind. Ich hatte irgendwie die Erwartung, nach der langen Zeit im Ausland, endlich wieder in mein Heimatland zu kommen und dort neu anzufangen. Jedoch war mir schnell klar, dass ich mir unter den Einheimischen fremder vorkam als je zuvor.

Heute würde ich sagen, dass es auf jeden Fall Fortschritte auf dem Weg gibt. Einen vollkommen zufriedenstellenden Zustand gibt es noch nicht, ich denke ich komme meinem Begriff von Heimat aber näher. 

Fast sechs Jahre weit vom „echten“ Zuhause entfernt zu wohnen, hat mir aber eine Sache sehr klargemacht: Es gibt einfach nichts schöneres, als mein Zuhause mit meiner Familie, meinen Freunden und meiner absoluten Topheimat im Schwarzwald. 

 

2 thoughts on “Für immer fremd oder doch ein neues Zuhause?”

  1. Das Gefühl kann ich ebenfalls absolut nachvollziehen. Ich bin vom schönen Ruhrgebiet in die andere Schönheit des Bodensees gezogen. Und ja, letztendlich lernt man zunächst ebenfalls nur Zugezogene kennen.
    Irgendwie aber auch verständlich, denn in meinen alten Freundeskreisen in der Heimat sind ja auch so gut wie keine „Zugezogenen“. In lange bestehende Kreise kommt man halt schwer rein.
    Es ist schön wegzuziehen und was Neues zu erleben. Aber derzeit sehe ich als Heimat immer noch das Ruhrgebiet an. Hier in Konstanz ist derzeit mein Zuhause. Vielleicht wirds in einigen Jahren auch mal zur Heimat, aber das bleibt noch abzuwarten.

  2. Ich kann dich so gut verstehen, mir ist es jahrelang genauso ergangen, ich bin gleich nach der Matura von Graz nach Wien gezogen und war irgendwie nirgendwo mehr richtig zu Hause, ich wollte immer raus in die Welt, auswandern….aber das Leben kam dazwischen. Mittlerweile bin ich angekommen, ruhiger geworden, das wird bestimmt auch bei dir so kommen, aber man kann es nicht erzwingen. Alles Liebe, x S.Mirli
    http://www.mirlime.com

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