Blogger und das Thema Veganismus

Ich weiß nicht, ob es einigen von euch auch so geht, aber ich habe das Gefühl, dass im Moment so gut wieder jeder Influencer/Blogger vegan lebt und dies auch jedem in seinen Stories und Posts zeigt.

 

Natürlich habe ich nichts gegen vegane Ernährung, selbst esse ich fast mein ganzes Leben, bis auf seltene Fischausnahmen, vegetarisch. Grundsätzlich bin ich auch der absoluten Meinung, dass jeder selbst entscheiden muss, was er für Lebensmittel zu sich nehmen möchte und finde es sehr gut, dass man die Auswahl vieler Lebensmittel einfach einmal konkret überdenkt. Es gibt genügend Beispiele, die zeigen, dass man Dinge wie Massentierhaltung, Überproduktion oder extreme Eingriffe in die Natur meiden kann, wenn man sich nur einmal genauer damit beschäftigt. Es gibt sehr viel, was jeder einzelne zu einem gesünderen und vor allem auch ökologisch wertvolleren Umgang mit Lebensmitteln beitragen kann.

Beispiele hierfür sind im Bereich Fleisch natürlich die Vermeidung von Produkten aus Massentierhaltung. Genauso gilt das für den Kauf von Milchprodukten: Es ist sehr sinnvoll, in Erfahrung zu bringen, woher die Produkte kommen und diese dann aus tierfreundlicher Haltung zu kaufen. Vorsicht ist natürlich darin geboten, dass Produkte oft mit Bio gekennzeichnet sind, die Tierhaltung dahinter aber gar nicht bio ist. Am besten wäre es natürlich von Höfen zu kaufen, die man besichtigen kann und wo man mit eigenen Augen erkennen kann, dass die Tiere gut gehalten werden. (Das Wort artgerecht lasse ich hier mal absichtlich raus, denn das wird wohl nur die Freiheit sein)

Was ich persönlich aber auch äußerst wichtig finde, ist der bewusste Kauf von Obst und Gemüse. Und hier startet auch der Punkt, der mir von Influencern oft einfach viel zu wenig thematisiert wird. Viele Instagrammer nehmen als Argument für ihren Veganismus zum einen natürlich den Schutz der Tiere, zum anderen aber auch die CO2 – Bilanz, die durch die Ausdünstungen der Tiere, die aufgrund der erhöhten Nachfrage in einer viel zu hohen Anzahl existieren, extrem negativ belastet ist. Wenn ich dieses Argument höre und gleichzeitig die Avocado sowie die Mandelmilch auf dem Tisch der Menschen stehen sehe, könnte ich einfach nur den Kopf schütteln. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass Anbau von Mandeln in großen Mengen enorm viel Wasser in ohnehin schon sehr trockenen Gebieten verbraucht (1 Mandel benötigt ca. 4 Liter Wasser). Dazu kommt, dass die Mandelplantagen als Monokultur sehr viel Land benötigen, Bienen als Nutztiere benötigt werden und die Transportwege (80% aus Kalifornien, Rest aus südlichen Ländern wie Italien) enorm lang und deswegen wenig nachhaltig sind. Das gleiche Spiel findet man bei den meisten Südfrüchten, auf die Veganer aufgrund der Nährstoffe angewiesen sind, hierzu zählen zum Beispiel Avocados, Kiwis, Bananen.

 

Ich finde es sehr positiv, dass der Trend auf eine gesunde Ernährung zu achten, stetig steigt und die Menschen anfangen, sich einen Kopf zu machen. In diesem Sinne finde ich es natürlich sehr gut, dass Influencer ihre Reichweite nutzen, um auf Probleme, Defizite und Alternativen aufmerksam zu machen. Ich finde es aber äußerst fragwürdig, die Menschen aus einer einseitigen Argumentationskette überzeugen zu wollen, dass Veganismus und vegane Produkte immer die Lösung sind. Aussagen von einer Bloggerin zu einem wohl etwas jüngeren Mädchen, die in den Kommentaren erwähnt hat, dass ihre Familie einen Bauernhof hat und die Tiere gut behandeln, wie „dann müssen sich deine Eltern wohl einen anderen Beruf aussuchen!“ finde ich sehr fragwürdig.

Verständlicherweise kann keiner alles richtig machen, aber vor allem auf regionale und saisonale Lebensmittel zurückzugreifen und Fleisch in Maßen zu essen, wäre doch schon mal ein guter Anfang und sicherlich auch ein gutes Vorbild.

Sehr cool finde ich Ideen wie Rheinlandkorb oder die Reichenauer Gemüsekiste, die Körbe mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln direkt an die Haustüre liefern.

 

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