Auszeit nach dem Abitur: FSJ in Kanada

Vor knapp sechs Jahren habe ich mein Abitur geschrieben. Neun Jahre lang habe ich Tag für Tag ein und dieselbe Schule besucht und dann war dieser Abschnitt von heute auf morgen einfach so vorbei. Was nun? Darüber habe ich mir lange den Kopf zerbrochen: Eine Ausbildung oder ein Studium beginnen? Ein FSJ absolvieren? Ins Ausland gehen? Die Möglichkeiten schienen grenzenlos.

Nach etwas Recherche stand fest, dass ich gerne für ein Jahr nach Kanada gehen wollte. Zuerst dachte ich dabei an Work and Travel und bewarb mich daraufhin bei verschiedenen Jugendherbergen für einen Job. Dann habe ich aber zufällig von einem Verwandten von der Möglichkeit erfahren, mit der Organisation Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiner ein freiwilliges Jahr im Ausland zu absolvieren. Von der Idee begeistert informierte ich mich sofort über das Programm, bewarb mich und erhielt nur wenig später eine Zusage einer Waldorfschule inkl. Kindergarten in Montréal.

Wie war mein Leben als Freiwillige?

Als Freiwillige hatte ich einen festen Arbeitsalltag, der sehr schnell zur Routine wurde. Ich habe von Montag bis Freitag von jeweils 8.00 – 15.30 Uhr gearbeitet. Morgens habe ich als Assistentin in einer Kindergartengruppe von 14 Kindern mitgeholfen. Dabei habe ich die Kinder beim Spielen beaufsichtigt, das Essen gekocht, die tägliche Aktivität vorbereitet, mit den Kindern gesungen und den Kindern beim Anziehen geholfen, wenn wir zum Spielen nach Draußen gegangen sind. Nachmittags habe ich das Geschirr gespült, unseren Raum aufgeräumt und Vorbereitungen für den nächsten Tag getroffen. Danach habe ich meist noch in der Schule mitgeholfen. Hier standen Aktivitäten wie beispielsweise Akten und Zeugnisse sortieren, Weihnachtskarten schreiben oder Klassenzimmer streichen an.

Mein Fazit

Das Jahr war für mich eine sehr prägende Zeit voller Höhen und Tiefen und gleichzeitig eine wahnsinnig tolle Erfahrung, die ich um keinen Preis missen möchte. Mit den beiden Mädels, die dort mit mir ihr FSJ absolviert haben, treffe ich mich auch heute noch regelmäßig. Wir schwelgen gerne in alten Erinnerungen.

Vorteile

  • eine neue Stadt, ein neues Land und viele neue Leute kennenlernen
  • Sprachkenntnisse verbessern (Französisch und Englisch)
  • Arbeitsalltag mit vielen Schulferien (bin sehr viel gereist sowohl in Kanada wie auch in den USA)
  • ein Sozialleben aufbauen (habe Unisport gemacht und im Unichor sowie einem kleinen Ensemble gesungen)
  • gute Organisation seitens der Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiner (es gab ein Vor- und Nachbereitungsseminar und bei Fragen konnte man sich immer an einen Ansprechpartner wenden)

Nachteile

  • aufgrund eines geregelten Arbeitsalltags und als fester Bestandteil in einer Gastfamilie ist man gebunden und hat nicht die gleichen Freiheiten wie vielleicht Zuhause
  • bei der Wahl der Einrichtung sowie der Gastfamilie gehört natürlich immer ein wenig Glück dazu
  • man verdient monatlich nur ein kleines Taschengeld

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